[Unmöglich ist nur eine Meinung] [Grußwort]

Neulich schwärmte mir eine befreundete Regisseurin von einer Sportart vor, die ich bis dahin eher in die Kategorie „Das ist nur was für Schlägertypen" eingeordnet hatte. Kickboxen sei die ultimative Fitnesstherapie für gestresste Großstädter und stähle Frau auch mental für die Unwägbarkeiten des Lebens.
Ich halte mich selbst für einen von Vorurteilen weitgehend verschonten Menschen. Als Ex-Studentin der Sonderpädagogik ist mir das Zusammenleben der selbstverständlichen Art mit behinderten Menschen nicht fremd. Als ich aber von dem Buchprojekt „Unmöglich ist nur eine Meinung" hörte, dachte ich „Wie soll das denn gehen? 
Kampfsport für Behinderte???" Und wurde eines Besseren belehrt. Dieses Buch spiegelt das wieder, was längst als selbstverständlich in unserer vom schnellen Hin- und Wegsehen dominierten Zeit gelten sollte: „Unmöglich ist nur eine Meinung", aber eben noch längst keine Tatsache!
Dass Behinderte sehr erfolgreich Sport treiben erfahren wir Nichtbehinderten beispielsweise bei der Berichterstattung über die Paralympics. In den anschließenden Interviews menschelt es dann heftig: Die Moderatoren bemühen sich um einen lockeren Tonfall, um dann, gegen Ende des Interviews, doch noch schnell auf die Schwierigkeiten der Behinderung hinzuweisen. Der Zuschauer möchte halt auch Mitleid haben. Dass Mitleid die schlimmste aller Aufmerksamkeitsformen ist, habe ich vom bekannten Baritonsänger Thomas Quasthoff erfahren. Er ist contergangeschädigt und geht, wie so viele Menschen mit Behinderung, weitaus selbstverständlicher mit sich um, als seine Umwelt mit ihm.
Die Integration behinderter mit nichtbehinderten Menschen funktioniert am Beispiel dieses Ratgebers. Und er ist gut zu lesen, denn die Autoren ersparen uns auch nicht die Tücken des Miteinanders. Wenn man auf einander Acht gibt, sich respektiert und Unsicherheiten im Umgang anspricht, ziehen Behinderte und Nichtbehinderte den größtmöglichen Nutzen und den größtmöglichen Spaß aus dem gemeinsamen Sport. Unmöglich ist wirklich nur eine Meinung.

Ihre Ulla Kock am Brink